Ein zusammenfassender Rückblick: Unethische Praktiken und Korruption bei Adoptionen aus Äthiopien

Vorwürfe über  Korruption und Kinderhandel begleiten internationale Adoptionen aus Äthiopien spätestens seit etwa 2007.

Es ist zwar unbestritten, dass alle Handlungen – als Kinderhandel – unter Strafe stehen, die Bestimmungen der Haager Konvention zum Schutz von Kindern verletzen, indem „ein Mittelsmann die Zustimmung zur Adoption erwirkt“ und die „Entlohnung oder Vergütung“ im Zusammenhang mit dem Wegbringen des Kindes steht. Dabei heißt „Vergütung„, dass den Abgebenden finanzielle Vorteile für den eigenen Gebrauch entstehen; alle anderen finanziellen Transferleistungen sind jedoch hiervon ausgeklammert. (beispielsweise Kompensationszahlungen, Kostenerstattungen).

Das betont zum Beispiel der Rechtsexperte David Smolin, ebenfalls mit Bezug auf die Kinderrechtskonvention der UN. (United Nations Treaty Collection, Rights of the Child on the Sale of Children, Child Prostitution and Child Pornography, United States of America: Ratification, available at 1400/1360E.doc (Jan. 2, 2003 ; Optional Protocol to the Convention on thehttp://untreaty.un.org/English/CNs/2002/1301_,)

Grundsätzlich ist jedoch die Abgrenzung von Kompensation und Korruption als Zahlungsziel insbesondere bei einem extremen Wohlstandsgefälle zwischen den beiden beteiligten Ländern in der Praxis sehr problematisch. Damit liegt der Verdacht des möglichen Kinderhandels in solchen Konstellationen jederzeit nahe; noch häufiger aber der des „Launderings“ , dass nämlich im Nachhinein eigentlich fehlerhafte, auf teilweise falschen Angaben beruhende Adoptionen im Herkunftsland durch einen Gerichtsbeschluss – entweder noch dort oder im Aufnahmeland – nachträglich legitimiert werden.

Im Falle Äthiopiens gab es über lange Zeit hinweg viele einzelne Äußerungen von aufnehmenden Eltern und besorgten Mitarbeitern von Hilfsorganisationen, die nahe legten, dass gerade Fälle von „Laundering“ nicht eben selten vorkamen. Wie häufig, wenn „irgend etwas“ an der Adoption „einfach nicht stimmt“, ließ sich die  Öffentlichkeit über eine lange Zeit mit Verweis auf die Gültigkeit und Einhaltung der gesetzliche Bestimmungen beruhigen.

Der Verweis auf den reinen Wortlautaut der  Gesetzestexte ist jedoch oftmals nicht zielführend, wenn es darum geht, Quellen von Missbrauch und Fehlverhaltens aufzudecken:

Die theoretische Bestimmung beispielsweise, dass  so genannte „Child Finders“ nach dem Haager Übereinkommen nicht ungesetzlich vorgehen, sofern sie bei den Gesprächen mit der Herkunftsfamilie eines potentiell freizugebenden Kindes keine Zahlung in Aussicht stellen, verkennt die Praxis des so genannten „Child Harvesting“.

Geläufig ist der Begriff in der Diskussion über Adoptionen aus Äthiopien, seit der Dokumentation „Fly Away Children“, die eine Vertreterin einer amerikanischen Adoptionsagentur zusammen mit einem Repräsentanten einer äthiopischen Organisation dabei zeigt, wie Kinder aus Dörfern im Süden Äthiopiens rekrutiert werden.

Diese Praxis erstaunte damals jeden Laien, denn dem Vernehmen nach waren gerade in äthiopischen Waisenhäusern damals bis zu sechs Millionen Kinder zu versorgen; offenbar wurde jedoch vielfach so verfahren, dass zu adoptierende Kinder gezielt für adoptionswillige Familien ausgesucht wurden, und das war so lange kein strafbares Tun – weder nach äthiopischem Recht noch international – so lange der Herkunftsfamilie dafür keine finanziellen Leistungen in Aussicht gestellt wurde.

Strafbar ist es jedoch, wenn ein solches Kind mit falschen Papieren „adoptierbar“ gemacht wird.

„Child laundering occurs when children are illicitly obtained by fraud, force, or funds, and then processed through false paperwork into  „orphans“ and then adoptees. {…] Onc childlaundering is understood as an exploitative form of child trafficking, legal and ethical norms currently applied tohuman trafficking become applicable. Thus, the Hague Convention on Intercountry Adoption should be implemented accordingto its intent as an anti-trafficking Convention.” (http://www.humantrafficking.org/publications/542)

Die Lücken und Fallstricke bei den oftmals mit falscher oder unvollständiger Beratung zu erklärenden Freigabeerklärungen äthiopischer Herkunftsfamilien, die zu zahlreichen Fällen des Child Launderings führten, hat eine äthiopische Richterin beklagt. Da bei falscher Dokumentation der Herkunft eines Kindes kaum Möglichkeiten bestünden, diese bei einer Gerichtsverhandlung aufzudecken, werde die Adoption als rechtmäßig ausgesprochen, obgleich sie auf falschen Angaben beruht.

Zitiert wird die Richterin wie folgt:

Federal judge Rahila Abbas presides over Ethiopia’s only court handling adoption cases. She admits there is little the court can do to fight fraud, even when she suspects witnesses are lying, and that officially certified documents presented to the court are false.

„Some families prefer to lie about their history,“ she said. „I think the reason [is] they are destitute. I think that is the reason why they lie about one of the parents have died or absent. They lie. Maybe later it will be found, but the authorities couldn’t know each child’s history, because they are not going to their home. They simply bring witness saying my husband died. [We] have to believe the witness, [we] can’t do anything about it.“

(http://www.voanews.com/english/news/africa/Ethiopia-Working-with-Child-Advocacy-Groups-to-Clean-Up-Adoptions)

Der Höhepunkt der Berichterstattung über unethische und kriminelle Praktiken im Zusammenhandg mit Adoptionen aus Äthiopien war im September des Jahres 2009 sicher mit der Ausstrahlung der Fernsehdokumentation „Fly Away Children“ erreicht. Sie berichtet über die Rekrutierung von Kindern aus bestehenden Familien zum Zweck der Adoptionsvermittlung, besonders aus dem armen Süden Äthiopiens. Bereits zuvor waren aus Kanada Fälle einiger Kinder mit falscher Abgabepapieren bekannt geworden. Das spektakulärste Einzelschicksal betrifft sicher die Geschichte der Bradshaw-Kinder in den USA. In diesem Fall wurden einer sehr jungen Familie drei Kinder unter völlig falschen Altersangaben als angebliche Waisen vermittelt, die nicht nur lebende, sondern tatsächlich wohlhabende Verwandte in Äthiopien haben.

Die mediale Aufmerksamkeit zeigte zu Beginn wenig unmittelbare Wirkung; es schien, als würden sich viele an der Adoption beteiligte Stellen und Personen zunächst auf die Interpretation verständigen, es handele sich um bedauerliche Einzelfälle.

Dies geschah auch in Deutschland, als im Jahr 2010 ein Fall falscher Herkunftsdokumentation bekannt wurde, aufgetreten bei einer Adoption über die äthiopische Organisation Gelgala, die schon in anderen Ländern als Vermittlungsstelle, von der viele  Kinder mit falschen Papieren kamen, aufgefallen war. Systematischen Missbrauch von Strukturen der Adoptionsvermittlung  wollte damals – und will bis heute – kaum niemand dahinter erkennen.

Die Studie der amerikanischen Adoptivelternorganisation PEAR vom Ende des Jahres 2010 spricht dagegen eine ganz andere Sprache.  Ebenso zeigt die Chronologie in der Dokumentation der Ereignisse, welche die Organisation aufgelistet hat, eine stetige Zunahme von Warnungen besonders der US-Regierung, aber auch temporäre Programmschließungen durch andere Länder.

Die äthiopische Regierung, vor allem das zuständige Familienministerium, MOWA, hatte zunächst auf die Berichte über Korruption und fehlende Verfahrenstransparenz mit verschiedenen Maßnahmen reagiert. Dazu gehörten die Schließung einzelner Waisenhäuser, die Aussetzung von Adoptionen aus bestimmten Gegenden sowie Neuregelungen für den Betrieb von Transit-Homes. Gleichzeitig veränderte man das Gerichtsverfahren für Adoptionen ins Ausland.

Bereits Ende  2010 hatte  eine amerikanische Nachrichtenagentur schließlich Pläne für das Ende des Geschäfts mit Babies aus Äthiopien verkündet.

Allerdings stellte sich die tatsächliche Situation im Jahr 2012 anders dar: Im Frühjahr 2012 bestätigte die amerikanische Botschaft in Äthiopien letztlich,  in einer Vielzahl von Fällen seien die Papiere der Kinder so fehlerhaft recherchiert und mit Falschangaben durchsetzt, dass künftig die adoptierenden Eltern selbst Nachweise über die Richtigkeit der Angaben beibringen müssen.

Dann stellte Australien, das wegen seiner staatlichen Vermittlungsstruktur lange als ein Vorbild an ethischer Adoptionspraxis aus Äthiopien galt, seinerseits alle Adoptionen aus Äthiopien wegen nicht auszuräumender ethischer Bedenken ein.

In der afrikanischen Öffentlichkeit hat sich das Verständnis von Adoption in den letzten fünf Jahren stark verändert.  Wie unter anderem dieser Artikel berichtet, sucht man zunehmend nach Möglichkeiten, elternlose Kinder im Herkunftsland besser zu versorgen.

UNICEF wird dabei immer wieder unterstützend tätig, jüngst durch Maßnahmen zur Familienzusammenführung, die allerdings durch fanatisische Adioptionsbefürworter besonders in den USA als adoptionsfeindlich gebrandmarkt werden.  Dies aufgrund eines fundamentalen Missverständnisses:

In „Africa -The New Frontier for Intercountry Adoption“ kann man einiges über den Glauben nachlesen, der noch immer weite Teile der westlichen Welt  beseele, dass nämlich Afrika mit einer Schwemme adoptierbarer Waisen bevölkert sei. Der Begriff der Adoptierbarkeit müsse in diesem Zusammenhang allererst neu definiert werden:

The importance of a clear understanding and determination of adoptabilityA clear definition and understanding of who is adoptable is important for the following three mainreasons.

First, a clear definition and understanding of who is adoptable is vital so that the concept of“adoptable children” is not confused with that of “children currently in out-of-home care”. Children in institutions are not necessarily adoptable. Second, a clear definition and understanding of who is adoptable has the capacity to disprove the wrong perception (especially within some parts of the Western world) that there are lots of orphans, especially in the developing world, and hence a lot of adoptable children. There is a dire need todisprove this, thereby minimising the misinterpretation of adoptability that can result in flagrantabuses against, and exploitation of, a child who is adoptable. In this regard, Graff contends thatWesterners have been sold the myth of a world orphan crisis. Third, the availability of a clear understanding of adoptability would also facilitate compliance with the principle of subsidiarity. ( S. 34)

Wie der Bericht des ISS, Investigating the Grey Zones, deutlich macht, führt das Missverständnis über die hohe Zahl an adoptionsbedürftigen Waisenkindern dazu, dass trotz aller offenkundigen und nicht zu leugnenden Beweisen über Korruption und unethische Praktiken die Nachfrage nach Kindern aus den bekannten Herkunftsländern keineswegs zurückgeht.

In addition, the discrepancy between the number of applications for adoption and the number of children declared adoptable world-wide has led to some unfortunate consequences. Indeed, in any case where the demand for something is greater than the supply, prices increase. This is true for ICA, and the most vulnerable countries face, and are, still facing, serious abuses, fueled by foreign money. As the NGO Terre des Hommes says: “international adoption follows the common laws of the market: the offer searches the demand and the demand tracks the opportunities”( S. 12)

Um dem möglichen Missverständnis entgegen zu wirken, die ethischen Probleme im Zusammenhang mit internationaler Adoption aus Äthiopien bestünden vorwiegend aufgrund von oder in Zusammenhang mit amerikanischen Adoptionen, sei auf diese exzellent recherchierte, aber folgenlos gebliebene Dokumentation der Organisation ACT verwiesen. Sie beschäftigt sich mit Adoptionsfällen in Holland, die über die Agentur „Weldekinderen“ abgewickelt wurden.

Die Analyse der Studie bei Reform-Talk zeigt bis ins Detail die zahlreichen Verflechtungen der einzelnen internationalen und national operierenden Agenturen in Äthiopien auf.

Zwei Filmdokumentationen machen  die europäische Seite der Auslandsadoption aus Äthipopen anschaulich und deren Mängel deutlich: Im Januar 2011 zeigte das holländische Fernsehen im Januar 2011 eine Dokumentation, die das immer  wiederkehrende Muster einer gescheiterten Adoption aufdeckt: Kind mit falscher Altersangabe vermittelt; Papiere sind völlig falsch; Adoption scheitert; Leibliche Eltern werden ausfindig gemacht; leibliche Eltern waren fehlinformiert über die Konsequenzen einer Adoption.

Die dänische Dokumentation „Mercy, Mercy“ von Ende 2012 machte nicht nur die bisher immer wieder angezweifelte Beobachtungen zur „aktiven Beratung von Eltern zur Adoption“ offenkundig (im Gegensatz zu allen gesetzlichen Bestimmungen, die Familienerhalt an die erste Stelle der Zielsetzung bei der Beratung von Familien in Krisen stellt) sondern zeigt auch die erschreckende Konsequenz des Scheiterns einer Adoption, die in diesem besonderen Fall niemals hätte erfolgen dürfen.

Eine weitere (französischsprachige) zweiteilige Dokumentation aus Kanada beleuchtet einzelne Familienschicksale, die durch die Folgen des Launderings geprägt sind.

 

Advertisements

Einige Bemerkungen zur Handhabung dieser Seiten

Technisches:

Das Blogformat, in dem diese Seiten veröffentlicht wurden, ist für eine kontinuierlich fortlaufende Darstellung geeignet und  bringt eine gewisse Unübersichtlichkeit mit sich, wenn man sich  um eine systematische Navigation nach Themen bemüht. Diese ist dadurch ermöglicht, dass man unter dem Verzeichnis „Themen“ am rechten Rand einzelne Einträge anwählt. Zu den Hauptthemenbereichen gibt es unter „Rubriken“ je eine Einführung.  Die umfangreiche Linkliste ist bis zum Februar 2011 aktualisiert.

Thematisches:

Insgesamt sind diese Seiten ein Versuch, die verschiedenen Aspekte ethischer internationalen Adoption am Beispiel Äthiopiens zu diskutieren – d. h. einerseits das Prozedere und die möglichen Schwachstellen für die gegenwärtigen Adoptionsverfahren zu dokumentieren als auch Reformansätze darzustellen. Daneben gibt es einiges an Hintergrundinformation aus Äthiopien, sowohl Informatives zum Land und zur Kultur als auch ein Überblick über die Diskussion der Auslandsadoption  im Land.

Beginn und zum Ende dieses Blogs

Ein großer Teil dieser Sammlung entstand im Zusammenhang meiner Mitarbeit in der Elterngruppe für ethische Auslandsadoptionen, die ich Ende des letzten Jahres beendet habe. Während der Auseinandersetzung mit dem Thema „Adoptionen aus Äthiopien“ in diesem Gremium und im Rahmen anderer Projekte sind mir neue Schwerpunkte deutlich geworden, mit denen ich mich künftig mehr beschäftigen will. Es gehört dazu nach wie vor der Bereich „Herkunft“ – und „Beziehung der neuen Familie zum Herkunftsland der Kinder“ ebenso wie das Thema „Folgen der Adoption“, wie es sich aus der Sicht erwachsener Adoptierter präsentiert. Nicht zuletzt setze ich mich auch vermehrt mit Diskriminierungsfragen und Rassismus auseinander.

Diese Seiten haben nicht unmäßig viele, aber viele regelmäßige Leser gefunden. Sie enthalten eine vergleichseweise vollständige Dokumentation und Materialsammlung. Beides zusammengenommen ist Grund genug, sie, so lange das Thema „Adoption aus Äthiopien“ aktuell ist, nicht aus dem Netz zu nehmen, auch wenn ich sie nicht mehr regelmäßig aktualisieren werde.

Resonanz und Kritik

Wie eine Mit- Mutter anläßlich des Abschluss  dieses Projektes schrieb:

„I think the space we’re in – adoptive parents who understand the injustice – is one that positively invites getting beaten up from all sides.  Adoptees and first parents don’t trust us, adoptive parents who disagree dislike us.“

Freundliche Rückmeldungen habe ich im Verlauf der Arbeit an diesem blog schon einige erhalten. Kritisch  haben sich bisher Adoptierte und abgebende Eltern bei mir noch nicht, Adoptiveltern und solche, die es noch werden möchten, dafür um so mehr geäußert, manchmal in Formen, die nicht gerade erfreulich waren. Der Lernprozess im Umgang mit diesen Reaktionen war insofern produktiv, als dass für mich am Ende einige Kernüberzeugungen zum Thema Adoption übrig bleiben, von denen ich mich niemals verabschieden könnte.

Was mich in mein neues Projekt begleiten wird:

1. Jedes Kind hat ein ungeteiltes Recht auf die ungeteilte Kenntnis seiner Herkunft und auf den Umgang mit allem, was zu ihr gehört.

2. Jede Herkunftsmutter hat das ungeteilte Recht auf Informationen über die Entwicklung ihres Kindes.

3. Jedes Kind hat das ungeteilte Recht darauf, dass seine Herkunftsfamilie und das Land seiner Herkunft in seiner neuen Familie mit Respekt und Freundlichkeit betrachtet wird. Das hat nichts mit Ethnozentriertheit oder Verwurzelungsideologie zu tun, sondern mit der schlichten Tatsache, dass die Herkunft ein Teil des Kindes ist.

4. Kinder sind, auch wenn sie als Säuglinge in eine Familie adoptiert werden, keine „unbeschriebenen Blätter“. Sie haben einen Verlust erlitten, bevor sie in ihrer derzeitigen Familie mit Liebe aufgenommen wurden; diesen Verlust zu leugnen oder in seiner Bedeutung zu beurteilen hat niemand, außer das betroffene Kind selbst, das Recht.

Was ich gerne hier lasse und womit ich mich nicht mehr beschäftigen werde

sind Positionen, die Adoption  für eine alternative  Form der Familiengründung kinderloser erwachsener Menschen halten – sie sind elternzentriert und missachten die Erfahrungen unzähliger Betroffener, nämlich Adoptierter  – und Positionen, die in irgend einer Weise den Aspekt der Dankbarkeit ins Spiel bringen, den eine adoptierte Person – ausgesprochen oder unausgesprochen – der neuen Familie schuldet.

Ebenso werde ich mich nicht mehr mit Äußerungen auseinandersetzen, die unethische Praktiken in Adoptionen als ein notwendiges Übel im Zusammenhang mit einer „Rettung vor Elend“ rechtfertigen.

Wer an einer

weiterführenden Diskussion

dieser Fragen interessiert ist, den verweise ich  an das Blog

Angry Adoptive Mom und daraus besonders an den Beitrag

http://angryadoptivemom.blogspot.com/2011/02/adoption-gene.html

Zahlreiche Beiträge der Seite REFORMTALK (verlinkt rechts im Seitenstreifen) sind hinsichtlich der Kommentare und Meinungen zu neueren Entwicklungen  lesenswert. Gleiches gilt für die Kommentare auf der Seite PPL, die immer wieder (neben Analysen und Fakten) erscheinen.

Die Seite „Ethische Adoptionen“ schließlich bietet neben einer breiten Dokumentation und Information neuerdings auch eine Diskussionsplattform an.

Leseempfehlung: Artikel über die Hintergründe der geplanten neuen amerikanischen Gesetzgebung zu internationalen Adoptionenen

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Umsetzbarkeit der neuen Gesetzesiniative CHIFF (Children in families first). Ziel der Initiative ist es, das Prozedere bei internationalen Adoptionen zu vereinfachen.

Die Vertreter von CHIFF bewerben ihr Modell unter anderem damit, dass mit der Umsetzung von CHIFF in den Herkunftsländern neben der Anbahnung internationaler Adoptionsverfahren Maßnahmen zu Familienzusammenführung (unter amerikanischer Federführung) angeboten würden. Wie der Autor anhand einiger Rechenbeispiele zeigen kann, würde das dafür zur Verfügung stehende Budget geradezu lächerlich gering im Verhältnis zu den erforderlichen Aufwendungen.

 

Vier Mitarbeiter amerikanischer Adoptionsagenturen wegen krimineller Handlungen angeklagt

Wie übereinstimmend mit Bezug auf eine Veröffentlichung des amerikanischen Justizministeriums in verschiedenen Quellen heute berichtet wurde, sind vier namhafte amerikanische Adoptionsvermittler wegen Visabetrug und anderen kriminellen Machenschaften bei Adoptionen aus Äthiopien angeklagt. Einen Überblick und Quellenangaben  findet man bei REFORM TALK.

Über Adoptionen aus Äthiopien, Bericht von 2010

Dies ist ein sehenswerter Bericht des schweizerischen Fernsehens über den Stand der Adoptionen aus Äthiopien, Stand 2010.

(Link: Courtesy of/ Provided by: Arun Dohle, Against Child Trafficking)

http://www.srf.ch/player/tv/rundschau/video/kinderhandel-bei-adoptionen-aethiopien?id=cdbb01de-ecc2-459b-8f81-a3fac78c3a69

Wieder einmal ein Hinweis auf den PEAR-Blog

Es lohnt sich, diese Adresse regelmäßig aufzusuchen, wenn man am internationalen Adoptionsgeschehen interessiert ist. Die Betreiber sammeln nicht nur die Hinweise des amerikanischen DOS zu besonderen Umständen in bestimmten Ländern. Sie weisen auch auf politische Aktivitäten hin, wie  zum Beispiel den aktuellen Besuch der Senatorin Jacobs, als der besonderen Beauftragten für Adoptionsfragen, in Vietnam. ( Die USA haben derzeit kein Adoptionsabkommen mit Vietnam.

PEAR ist eine Elterninitiative, die  international Mitglieder aufnimmt, wenngleich der Arbeitsschwerpunkt auf US-amerikanischen Problemen liegt. Ihr Mission-Statement als Zitat:

Parents for Ethical Adoption Reform is a 501(c)(3) public charity. We are dedicated to representing, and providing a voice for, prospective and adoptive parents. As part of our mission, we hope to provide prospective parents with all of the resources and information necessary to make an informed decision to adopt. We also hope to provide adoptive parents with support, education and resources to be the best parents they can be. Our new country-specific blog pages have been created to provide Prospective Adoptive Parents (PAPs) and Adoptive Parents (APs) with a go-to source for news, information and support.

Ethics, transparency, support – what all adoptions deserve.

Aktuelle Pressemeldung bezüglich Internationaler Adoption aus Äthiopien

Betyie

Die Agentur „AllAfrica“ berichtet mit Datum vom 26.12., die zuständige Familienministerin in Äthiopien habe erklärt, sämtliche internationalen Adoptionen äthiopischer Kinder einstellen zu wollen. Die Meldung hier zitiert sie wie folgt:

The Minister Zenebu on her part said the government is working hard to end foreign adoption and facilitate situations to raise the children within their community.

Over 9,000 children were adopted by foreign families during the previous years, in a yearly basis, she said.

Through various activities carried out over the past years, number of children adopted by foreign families reduced to less than 1,000 in 2005EC.

She attributed the success to implementation of various laws and increasing knowledge of the public.

Update: In einigen Foren kursiert die folgende – natürlich nicht überprüfbare und damit derzeit unbestätigte – Nachricht: Einigen „Stakeholdern“ zufolge, die bei der Pressekonferenz und anschließenden Gesprächen anwesend waren, spricht die Ministerin sehr konkret von wenigen Wochen, innerhalb…

Ursprünglichen Post anzeigen 156 weitere Wörter

On the one hand – and then on the other ….

An article on this blog which was originally published in German (Spt. 25th)  is now available in English-

translation courtesy of Sonny Picard.

——————————————————————————————————————————————————————————————-

Here, one can view the cover page of the International Social Services’ publication relating to the practical application and their legal framework requirements relating to (int’l) adoptees searching for their roots:

As welcome as it is to develop and maybe also start such a program, (especially in Denmark, where a girl adopted from Ethiopia who, due to alleged attachment problems, is currently living under gov’t foster care instead of living with a loving family – and, in spite of concerted attempts, is unable to live with her family of origin –) it seems incomprehensible to me why the work of the organization “Against Child Trafficking” is not mentioned once in this entire brochure.

ACT is, without question, the institution that has been successfully carrying out searches for adoptees‘  roots, and they have been working in adoption matters as much on the theoretical as on a practical and a political level. They have set standards.

It seems to me this silence follows a pattern: The organization has not only successfully conducted a high number of birth family searches, but has also politically defended the rights of adoptees looking for their origins in their respective countries of origin, and it has as well  been working on improving the conditions on location. It has also uncovered numerous scandals in various countries that – after initial intense denials – could no longer be contested after several years.

Yet, it seems difficult for a lot of people – if not to support them – then at least to honor their work.

There is hardly anyone in the world of current int’l adoption publications who would not have benefitted from the extensive archives and case-studies of ACT – at least, if they are sufficiently astute to collect valid research material. Nevertheless, officially the source will rarely be named, and /or when discussing structural problems publicly with representatives of state or government positions, instantaneous distancing seems to occur: During such meetings, ACT is never present. The arguments against their presence are so multifarious that they almost seem arbitrary. “Violates privacy”; is too radical”; are anti-adoption” always work well. And lately, “too expensive” (!!!???).

This makes me angry. It bears repeating: One does not have to agree with everything someone is doing in order to appreciate the work they do. One does not have to consider every detail to be great in order to support a good cause in principle.

That is what annoys me even more: An organisation of whose work ultimately all governmental bodies and public institutions, and especially adoptees, benefit, is dependent on donations and can only be kept alive at great personal cost of those running it. Official funds should at least be made available to pay a basic salary to the full-time employees in Europe and overseas – this is, in my view, overdue. If all those governmental bodies and institutions that deal with adoption are serious with their call for ethics, as it is so often readily portrayed publicly, then the purpose of an organisation that uncovers the methods and structures of child trafficking cannot be valued high enough. Without ‘in the field’-knowledge, no-one can claim to be well-informed enough to consider all the probabilities and irregularities that are likely to take place in particular constellations in specific countries. It is precisely due to the sometimes egregious ignorance and a wide-spread self-congratulatory partiality that so many times, when it comes to assessing the situation in particular countries, severe mistakes are made.

Already several years ago, ACT, for example, has drawn attention to the different varying legal interpretations in African countries with regards to the institution of adoption. If this had been taken into account, some of the origins of these children would have been questioned in more depth. The sudden appearance of 300 foundlings over the course of one month in one town’s district of Ethiopia in 2010, all bearing the signature of one specific police station on the papers initially did not – aside from ACT – seem to be of particular interest to anyone. And there are so many more examples…

Instead of using this resource, those responsible treat ACT’s staff as if they were the underground workers of the adoption scene while they themselves are busy continuously constructing their ivory tower of „ethical adoptions“, while an architect and a statistician as well as workers are considered redundant.

Where is all this supposed to lead to? – Several adoption-agency-funded glossy brochures and declarations- of-intentions later, the truth will still be the truth – regardless of its being proclaimed by ACT.

It is time to call on these experts and bring them into the fold.

Einerseits – andererseits ….

Betyie

Hier kann man das Titelblatt einer aktuellen Veröffentlichung des internationalen Sozialdienstes bezüglich der praktischen Durchführung und der legalen Rahmenbedingungen von Herkunftssuchen (international) Adoptierter sehen:

iss

So erfreulich es ist, gerade in Dänemark, dem Land, in dem ein aus Äthiopien adoptiertes Mädchen, wegen angeblicher Bindungsprobleme, statt in einer liebenden Familie in staatlicher Obhut lebt und bislang trotz intensiver Bemühungen keinen Kontakt zu seiner Herkunftsfamilie pflegen kann, ein solches Programm zu entwerfen und vielleicht auch zu starten –

so unverständlich ist es mir, weshalb in dieser gesamten Broschüre die Arbeit der Organisation „Against Child Trafficking“ nicht einmal erwähnt wird. ACT ist fraglos die Institution, die sowohl theoretisch als auch praktisch und politisch am erfolgreichsten und handwerklich seriös Herkunftssuchen durchgeführt und dabei Standards gesetzt hat.

Dieses Stillschweigen folgt einem Muster, wie mir scheint: Die Organisation hat nicht nur erfolgreich eine große Anzahl von Suchen durchgeführt und sich politisch für die Rechte der Adoptierten in…

Ursprünglichen Post anzeigen 514 weitere Wörter